PV-Versicherungsschutz im Detail — Alle Bausteine erklärt

Von All-Gefahren-Deckung über Ertragsausfall bis zur Montageversicherung: Hier erfährst du im Detail, welche Bausteine es gibt und welche du wirklich brauchst.

All-Gefahren-Deckung (Allrisiko)

Die All-Gefahren-Deckung — auch Allrisiko-Versicherung genannt — ist die umfassendste Absicherung für deine Photovoltaikanlage. Das Grundprinzip ist einfach: Alles, was nicht ausdrücklich ausgeschlossen ist, ist versichert.

Das bedeutet in der Praxis einen enormen Vorteil. Während du bei einer benannten-Gefahren-Deckung im Schadensfall nachweisen musst, dass die Ursache in der Versicherungspolice aufgeführt ist, kehrt sich bei der All-Gefahren-Deckung die Beweislast um: Der Versicherer muss nachweisen, dass ein Ausschlussgrund vorliegt.

Typische Ausschlüsse bei All-Gefahren

  • Vorsatz — Absichtlich herbeigeführte Schäden sind nie versichert
  • Verschleiß und Alterung — Natürliche Degradation der Module (ca. 0,5 % pro Jahr) ist kein versicherter Schaden
  • Krieg und innere Unruhen — Standardausschluss bei allen Sachversicherungen
  • Kernenergie — Schäden durch Kernenergie sind vom Versicherungsschutz ausgenommen
  • Konstruktionsfehler — Schäden, die auf fehlerhafte Konstruktion zurückzuführen sind (dafür haftet der Hersteller)
Tipp: Achte darauf, dass grobe Fahrlässigkeit im Tarif mitversichert ist. Einige Anbieter leisten auch dann, wenn du beispielsweise eine Wartung versäumt hast und dadurch ein Schaden entstanden ist.

Benannte-Gefahren-Deckung

Bei der benannten-Gefahren-Deckung sind nur die Risiken versichert, die im Versicherungsvertrag einzeln aufgezählt werden. Die typischen versicherten Gefahren umfassen:

  • Feuer, Blitzschlag, Explosion, Implosion
  • Sturm (ab Windstärke 8) und Hagel
  • Überspannung durch Blitz
  • Leitungswasser
  • Diebstahl und Einbruchdiebstahl
  • Vandalismus nach Einbruch

Der entscheidende Nachteil: Wenn ein Schaden durch eine nicht genannte Ursache entsteht — zum Beispiel durch einen herabfallenden Ast, Schneelast oder einen Bedienfehler — bist du nicht versichert. Gerade bei PV-Anlagen, die vielfältigen Risiken ausgesetzt sind, kann das zum Problem werden.

Wichtig: Tierverbiss (Marder) ist bei vielen benannten-Gefahren-Tarifen nicht automatisch enthalten. Prüfe diesen Punkt besonders genau, denn Marderschäden gehören zu den häufigsten Schadensursachen bei PV-Anlagen.

Ertragsausfallversicherung

Die Ertragsausfallversicherung ist ein optionaler Baustein, der den finanziellen Verlust ausgleicht, wenn deine Anlage nach einem versicherten Schaden temporär keinen Strom produziert. Sie deckt zwei Einnahmequellen ab:

  1. Einspeisevergütung — Der entgangene Betrag, den du normalerweise für eingespeisten Strom vom Netzbetreiber erhältst.
  2. Eigenverbrauchsvorteil — Die eingesparten Stromkosten, die du durch Eigenverbrauch erzielst. Dieser Posten wird häufig unterschätzt, liegt aber bei aktuellen Strompreisen oft bei 30 bis 40 Cent pro kWh.

Wie berechnet sich die Entschädigung?

Die meisten Versicherer verwenden eine Standardformel auf Basis der installierten Leistung und der durchschnittlichen Sonneneinstrahlung am Standort. Für eine 10-kWp-Anlage in Deutschland rechnet man mit etwa 950 bis 1.100 kWh pro kWp und Jahr. Bei einer angenommenen Mischvergütung aus Einspeisung und Eigenverbrauch von 15 bis 25 Cent pro kWh ergibt das einen Tagesertrag von rund 4 bis 7 Euro.

Die Karenzzeit (Wartezeit bis die Entschädigung greift) liegt typischerweise bei 2 bis 7 Tagen. Die maximale Entschädigungsdauer beträgt je nach Tarif 6, 12 oder 24 Monate.

Minderwertklausel

Die Minderwertklausel ist ein oft übersehener, aber wichtiger Vertragsbestandteil. Sie regelt, was passiert, wenn nach einer Reparatur ein Minderwert an der Anlage verbleibt — zum Beispiel, wenn reparierte Module eine geringere Leistung haben als im Originalzustand.

Bei hochwertigen Tarifen wird dieser verbleibende Minderwert zusätzlich zu den Reparaturkosten erstattet. Achte darauf, dass diese Klausel in deinem Tarif enthalten ist, insbesondere bei neueren und leistungsstarken Anlagen.

Technische Defekte & Innere Betriebsschäden

Technische Defekte gehören zu den häufigsten Schadensursachen bei Photovoltaikanlagen — besonders beim Wechselrichter. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Wechselrichters liegt bei 10 bis 15 Jahren, während die Module 25 bis 30 Jahre halten. Ein Wechselrichter-Austausch kostet 1.500 bis 4.000 Euro.

Der Baustein „innere Betriebsschäden“ deckt Defekte ab, die ohne äußere Einwirkung entstehen — zum Beispiel Kurzschlüsse in Modulen, Überhitzung von Wechselrichtern oder Ausfall von Leistungsoptimierern. Bei einer All-Gefahren-Deckung sind diese Schäden in der Regel automatisch eingeschlossen.

Tipp: Prüfe, ob dein Tarif technische Defekte ohne Altersgrenze versichert. Einige Anbieter schließen Schäden an Komponenten aus, die älter als 10 oder 15 Jahre sind.

Montageversicherung

Die Montageversicherung schützt deine Anlage bereits während der Installation. Standardmäßig beginnt der Versicherungsschutz einer PV-Versicherung erst nach der Inbetriebnahme. Die Montageversicherung schließt diese Lücke und deckt Schäden ab, die während des Aufbaus entstehen:

  • Beschädigung von Modulen beim Transport auf das Dach
  • Sturmschäden an bereits montierten, aber noch nicht angeschlossenen Modulen
  • Herabfallen von Komponenten während der Installation
  • Beschädigung des Daches durch die Montagearbeiten

Die Montageversicherung ist besonders bei größeren Anlagen (ab 15 kWp) empfehlenswert, da hier der Montagezeitraum länger ist und entsprechend mehr Risiko besteht.

Betreiberhaftpflicht

Als Betreiber einer Photovoltaikanlage haftest du für Schäden, die deine Anlage bei Dritten verursacht. Beispiele:

  • Ein Modul löst sich bei Sturm und beschädigt das Nachbargebäude oder ein parkendes Auto
  • Ein Kabelbrand durch die PV-Anlage greift auf das Nachbarhaus über
  • Herabfallende Eisplatten von Modulen verletzen einen Passanten
  • Fehlerhafte Einspeisung verursacht Schäden im Stromnetz

Kleine Aufdachanlagen auf dem Eigenheim sind in der Regel über die private Haftpflichtversicherung abgedeckt. Bei größeren Anlagen oder gewerblicher Nutzung kann eine separate Betreiberhaftpflicht erforderlich sein. Kläre dies unbedingt mit deinem Haftpflichtversicherer.

Batteriespeicher-Versicherung

Immer mehr PV-Anlagen werden mit einem Batteriespeicher kombiniert. Der Speicher erhöht den Eigenverbrauch deutlich, stellt aber auch ein zusätzliches Risiko dar. Lithium-Ionen-Speicher können bei Überhitzung oder technischen Defekten Brände verursachen.

Nicht jede PV-Versicherung schließt den Batteriespeicher automatisch ein. Achte auf folgende Punkte:

  • Ist der Speicher explizit in der Versicherungssumme berücksichtigt?
  • Sind auch innere Betriebsschäden des Speichers (z.B. Zell-Defekte) versichert?
  • Gilt der Schutz auch für Schäden, die der Speicher an anderen Gebäudeteilen verursacht?
  • Wie wird der Zeitwert des Speichers berechnet (Degradation)?

Deckungsvergleich: Was steckt in welchem Tarif?

Baustein Basischutz Komfortschutz Premiumschutz
Feuer, Blitz, Sturm, Hagel
Überspannung
Diebstahl & Vandalismus
Tierverbiss (Marder)
Schneelast / Eisdruck
Technische Defekte
Ertragsausfall
BatteriespeicherOptional
Grobe Fahrlässigkeit
Minderwertklausel
All-Gefahren-Deckung
Unsere Empfehlung: Für Anlagen bis 10 kWp ohne Speicher reicht in der Regel ein Komfortschutz. Ab 10 kWp oder mit Batteriespeicher empfehlen wir den Premiumschutz mit All-Gefahren-Deckung und Ertragsausfall.

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